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Astronomik CLS Filter – oder der Kampf gegen Lichtverschmutzung

Bei meiner Suche in den Tiefen des Internets nach Landschaftsbildern mit Sternenhimmel und einigen Beiträgen meinerseits in Facebook, stieß ich auf einen Astronomikfilter der die Lichtverschmutzung am Himmel kurz gesagt reduzieren soll.

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Astronomikfilter uhuhuhu, das klingt magisch.  Doch so richtig viele Informationen darüber wie er funktioniert, wie er das Verhalten des einfallenden Lichtes verändert, konnte ich nicht finden.  Also dachte ich, bestell dir das Ding mal und probiere es aus.

Doch was macht dieser Filter jetzt genau? Ich versuche es mit meinem laienhaften Wissen zu erklären.  Der Filter beschneidet die Wellenlänge, oder anders herum, er reduziert die Lichtverschmutzung am Himmel durch die gelblichn Lampen der Straßenbeleuchtung. Der Filter lässt blaues Licht passieren und soll somit den Kontrast in Nebeln und im Sternenhimmel erhöhen. Doch irgendwie macht mich das stutzig, wenn rotes und gelbes Licht nicht durchkommt, und nur blaues passieren darf, dann fehlt doch eigentlich Helligkeit im Bild, oder?

So habe ich nun den Filter montiert und war die vergangene Nacht testen.

Die Filtervariante, die ich mir bestellt habe, ist ein Clip der vor den Sensor in das Kameragehäuse eingesteckt wird.  Dabei ist aber zu beachten, und das steht nirgends im Netz nachlesbar, dass der Spiegel manuell nach oben gedrückt werden muss. Lasse ich den Spiegel unten und setze den Filter davor kann der Spiegel nicht mehr nach oben schlagen. Die Konsequenz daraus, ist der Spiegel nach oben geklappt, ist es nicht mehr möglich im Sucher in stockfinsterer Nacht irgendetwas zu sehen. Der Liveview zeigt eh nichts an.  Somit muss also der Bildaufbau für die jeweilige Motivsituation ohne diesen Filter erstellt werden, danach das Objektiv entfernt, der Filter eingesetzt und das Objektiv wieder an den Body geschraubt werden.

 

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Das Ganze mag ja bei nur einem Motiv auch noch funktionieren, aber wenn ich meinen Standort bei der Landschaftsfotografie in der Nacht öfters verändere meine Motive neu aussuche, mein Bildaufbau neu arrangiere, ist diese Montiererei des Objektives, Filter raus und wieder rein eine richtig nervige Sache.

Doch kommen wir nun zu den Ergebnissen meines Testes.  Die Bedingungen waren Sternenhimmel mit dem Licht des halben Mondes.

Die Aufnahme auf der linken Seite ist mit dem montierten Filter und die Aufnahme auf der rechten Seite ohne diesen Filter, beide Aufnahmen mit dem gleichen Weißabgleich auf 4036 K.  Wie ich schon vermutet habe, ist ein sichtbarer Helligkeitsunterschied festzustellen.  Das fehlende Farbspektrum von trivial gesagt gelb und rot lässt das Bild nur noch blau und damit auch um einiges dunkler erscheinen.  Das auf dem rechten Bild sichtbare gelbliche Band in Nähe des Horizontes ist zwar verschwunden, die Sternendichte scheint auch minimal zuzunehmen,  aber fehlt mir durch Einsatz dieses Filters circa eine ganze Blendenstufen Licht.

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ISO 3200, 30 Sekunden, F 4.0

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ISO 2500, 25 Sekunden, F 4.0

 

Nun kämpfen wir Landschaftsfotografen in der Nacht mit wenig Licht. Wir versuchen mit sehr hohen ISO Werten das wenige vorhandene Licht in so kurzer Zeit wie möglich auf den Sensor zu bannen. Wir investieren in teure Objektive mit geringer Blendenöffnung,  die lichtstark sind um alle Photonen einzusammeln.  Jetzt setzen wir einen Filter davor, der uns wiederum eine Blendensstufe Licht wegnimmt, megakontraproduktiv.

 

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 09.22.34 Kopie

 

Das Bild hier oben habe ich ohne diesen Filter fotografiert. Mit ein paar wenigen Reglereinstellungen glingt es mir, das Bild so wie ich es visuell  vor Ort wahrgenommen habe wiederzugeben. Die Uhrzeit auf den Bildern stimmt nicht, ich habe die Kamera noch auf Winterzeit eingestellt, das muss ich ändern!

 

Bildschirmfoto 2015-05-28 um 09.19.44 Kopie

 

Ich habe bei dem blauen Bild mit dem Filter versucht, irgendwie einen einigermaßen brauchbaren Weißabgleich zu bekommen.  Ich kann an den Reglern drehen wie ich will, das blassgelbe Licht des Mondes kann ich in keiner Art und Weise erzeugen.

 

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Aufnahme in Richtung einer Ortschaft- WB 4036K

 

Der Filter mag mit Sicherheit für die Deep Sky Fotografie geeignet sein. Für Fotos von Astronomen die keine Landschaft in ihrem Bild haben möchten und oder kein Mondlicht.  Der Lichtverlust von rund einer Blendensstufe mag bei der Fotografie des Sternenhimmels als solchen mit gezielter Nachführung von untergeordneter Rolle zu sein.  Für mich und meine Art der Landschaftsfotografie in der Nacht mit Sternenhimmel taugt dieser Filter null und nichts.