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BLUEBELLS IN HALLERBOS – EINE PORTION WAHNSINN GEHÖRT DAZU

Hallerbos Bluebells

BLUEBELLS IN HALLERBOS

Vermutlich ging es schon einigen von uns Landschaftsfotografen so wie mir, Du siehst ein Foto und es lässt Dich nicht mehr los.

So geschehen im vergangenen Jahr, als einige meiner Kollegen nach Hallerbos pilgerten, um den blauen Wald von Belgien zu fotografieren. Inspiriert von Bildern meines befreundeten Kollegen Michael Lauer, hinterließen die Fotos bei mir einen tiefen Eindruck und die Sehnsucht, das auch einmal im Original sehen zu wollen. Doch irgendwie verlor ich die Idee wieder aus dem Kopf.

Jetzt im Frühling 2016 kursierten wieder die ersten Hinweise zur bevorstehenden Blüte und weckten mein Interesse. Das fotogene Zeitfenster für die Blüte der Hasenglöckchen ist circa 2 Wochen. Dann, wenn sich das erste zarte Laub an den Buchen zeigt und die blauen Blütenteppiche den Waldboden in eine Märchenlandschaft tauchen, wollte ich nach Hallerbos.

Hallerbos Bluebells
Hallerbos Bluebells

Mein Beruf und mein privater Terminplan ließen jedoch kein Wunschkonzert zu, und so musste ein Alternativplan her. Am Samstag Abend, spät nach der Arbeit setzte ich mich ins Auto um die 4 ½ Stunden Autofahrt in Angriff zu nehmen. Der Plan war, gegen späten Abend dort einzutreffen, ein paar Fotos im Wald bei Vollmond zu machen und den Rest der kurzen Nacht im Auto zu verbringen. Die Wetterdienste prognostizierten leider kein Idealwetter, sondern einen Temperatursturz in der dritten Aprildekade mit Temperaturen zwischen 2°C und 8°C sowie Bewölkung, Wind und leichtem Regen. Am späten Abend traf ich dann in Hallerbos ein.

Zu erst einen herzlichen Dank an meine Kollegen Michael Lauer und Andre Abtmeyer, die mich im Vorfeld mit Informationen und Karten versorgt hatten.

Hallerbos Bluebells
Nachthimmel bei Mondaufgang über Hallerbos

Der Weg führte mich nach meiner Ankunft sofort in den Wald. Ein süßlicher Duft lag in der kalten Luft, angenehm und verführerisch. In der Dunkelheit waren ganz leicht bläuliche Teppich am Boden zu sehen. Ich lief anfangs etwas orientierungslos durch den dunklen Wald und suchte eine lichte Stelle, an der Mondlicht einfallen sollte. Doch ich war noch zu früh, der Mond stand zu tief und hinter den Baumkronen drang kaum etwas Licht hindurch. Ich verharrte an diesem Platz, da ich keine Lust hatte, mich in der Dunkelheit in einem Gebiet zu verlaufen, dass ich nicht kannte. Gelegentlich flatterte es im Dickicht, vermutlich schreckte eine Eule durch das Licht meiner Stirnlampe auf.

Hallerbos Bluebells
Mondlicht streift durch das lichte Grün der Buchen

Langsam fielen die ersten Strahlen des Mondlichts auf den Waldboden. Schön wäre dabei etwas Dunst gewesen, die Luft war aber zu trocken. Nach ein paar Fotos verließ mich aber die Motivation und Müdigkeit überkam mich. Schließlich lag eine kurze Nacht vor mir und ich trottet zum Auto zurück, ein Schlafplatz musste noch gefunden werden. Man sagt, die Parkplätze in dem Waldgebiet würden nachts kontrolliert und man würde vertrieben werden.

Ich hatte im Vorfeld virtuell die Gegend abgesucht und in einem Waldstück das Auto für die Nacht dann abgestellt. Die Nacht im Schlafsack auf dem Beifahrersitz war wie Schlafen im Flugzeug in der Economy;  nur viel kälter.

Gegen 05:30 klingelte mein Wecker, ich richtete die Knochen zurecht und blickte durch die kondensierten Autoscheiben in einen Bewölkten Himmel. So war das aber nicht bestellt! Eine Tasse warmen Tees und ein paar Kekse ließen meinen inneren Motor anspringen.

Als ich kurz vor sechs Uhr zurück in dem Wald war, schaltete sich meine Orientierung auch wieder ein. Zielstrebig versuchte ich in die ich in die richtige Richtung zu laufen, die blauen Blütenteppiche vernebelten derweil meine Sinne. Diese Schönheit ist schwer zu beschreiben und gleichfalls schwer zu begreifen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat.

Die Kühle des Morgenlichts lag auf dem von den Blüten dicht gewebten Waldboden. Blau, wohin das Auge schaut, blau über einem grünen Rasen. Buchenstämme staffeln sich mit zart grünen Blättern. Hinter einem Baum sitzt ein Fotograf, eine Kapuze verdeckt seinen Kopf, still und regungslos wartet er mit seinem Teleobjektiv, vermutlich auf das Erscheinen von Rehen.

Hallerbos Bluebells
Hallerbos im fahlen Licht der Morgendämmerung

Ich kann den Weg nicht weiterlaufen, es geht nicht! Ich muss ständig anhalten, staunen, riechen und fotografieren. Es beginnt zu tröpfeln, super, der Schirm liegt im Auto. Also flink zum Parkplatz zurück. Alle paar Meter tun sich neue Motive auf. Grau Stämme im Blau der Hasenglöckchen, dazwischen weiße Tupfen von Buschwindröschen. Dünne, schräg wachsende Buchen, dicke Stämme, Farne und Tannen, am Boden liegt trockenes Laub. Still ist es an diesem Morgen.

Hallerbos Bluebells
Hallerbos  mit den  Trieben junger Ahornbäume

 

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blaue Teppiche umschmeicheln die Stämme

Doch wer ist eigentlich der Star des Waldes? Um wen dreht sich der ganze Hype?

Die Hasenglöckchen oder im Englischen auch Bluebells genannt sind ein Pflanzengattung der Spargelgewächse, die im westlichen Europa beheimatet sind.

Hallerbos Bluebells
Hasenglöckchen – Bluebells

 

Hallerbos Bluebells
Verschlungene Wege schlängeln sich durch das Blau

Wie gemalt schlängeln sich schmale Pfade durch den Wald. Leider sind die fotogensten davon gesperrt. In einem Tal befindet sich der in meinen Augen schönste Teil des Waldes.

Ich arbeite mich so innerhalb der kommenden Stunden durch den Wald. Ab und zu treffe ich ein paar Fotografen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Nun beginnt die hoch stehende Sonne ab und zu durch die Wolkendecke zu blinzeln. Schnell wechsle ich den Standort, ich will Gegenlicht. Doch die Sonne hat kaum Chancen gegen die Wolken. Ein paar Shots gelingen mir noch, bevor es wieder zu zieht. Es ist erstaunlich, wie sich die Stimmung mit Sonnenlicht ändert. Strukturen und Muster werden durch die Äste von der Frühlingssonne auf das blaue Meer gemalt.

Hallerbos Bluebells
Das Morgenlicht zaubert helle Strukturen auf den Waldboden

Der Wald von Hallerbos füllt sich nun mit Joggern, Spaziergängern und spät fotografierenden Wanderern. Zeit für mich, zusammenzupacken und nach einer Tankstelle und einem Kaffee zu suchen. Gegen neun Uhr sitze ich wieder im Auto und mache mich auf den Heimweg.

Ein Portion Wahnsinn brauchst Du als Landschaftsfotograf schon, um für einen Wald voller Blüten 900km zu fahren und die Nacht im Auto zu verbringen. Aber genau diese Momente, diese Geschichten und Erlebnisse, sind wertvolle Momente im Alltag, die Dir keiner nehmen kann.

Hallerbos Bluebells
Hallerbos Bluebells und sanftes Grün

 

Hallerbos Bluebells
Sanftes Sonnenlicht bringt die jungen Triebe zum Leuchten

Alle Fotos im Morgenlicht sammelte ich in einem Zeitfenster von nur 3 Stunden ein. Eigentlich viel zu wenig Zeit, um das ganze Potential dieser Landschaft zu fotografieren. Die Zeit reichte jedoch aus, um die Magie des Märchenwaldes von Hallerbos zu spüren.

Für Infos zur Blüte, Wanderkarten, Parkplätzen etc findet hier die Webseite von Hallerbos.

1 Comment

  • André Koschinowski Mai 24, 2016 - 3:49pm

    Klasse Bilder und toller Bericht !

    Antworten


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