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Fotografieren von Gewitter und die Hindernisse

Stäffelsbergturm, Sommergewitter, Pfälzerwald

Fotografieren von Gewitter und die Hindernisse

 

In meinem Portfolio vom Pfälzerwald haben sich schon viele Fotos und Lichtstimmungen angesammelt. Selbst die Aurora Borealis konnte ich schon fotografisch nachweisen.

Nur Blitze, die fehlen mir noch. So ein schönes Gewitter über dem Pfälzerwald, tief hängende, bedrohliche Wolken aus denen es diabolisch blitzt, das schwebt mir noch im Kopf rum.

Doch leider ist dieses Thema sehr heikel, schon aus den sich daraus ergebenden Gefahren. Ich möchte die Erfahrungen meiner letzten Gewitterjagd mit Euch teilen.

Zum Anfang steht die Planung und vor allem die Beobachtung des Wetters in meinem Fokus. Wo gehe ich hin, wenn es Gewitter geben wird. Klar, nicht ins offene Gelände, was im Pfälzerwald eh schwer sein wird. Nicht auf eine exponierte Stelle, die mit Bäumen oder gar Gipfelkreuzen aus Metall bestückt ist. Die Einschlaggefahr ist zu groß. Ich brauche ein Stelle, wo ich im Extremfall schnell flüchten kann. Nun, im Wald auf einem Felsen geht nicht, die Aussicht wäre perfekt, der Weg zum sicheren Auto zu Bweit. Also blieben mir nur Aussichtstürme im Pfälzerwald, die Massiv aus Stein sind und einen Blitzableiter haben, so zumindest meine Theorie.

Anfang Juli diesen Jahres waren die Bedingungen für Ausnahmegewitter ideal. Extrem hohe Temperaturen nahe der vierzig Grad Marke und einströmende Feuchte Luft sollten für Superzellen sorgen.

So beobachtete ich an diesem heißen Julisonntag im Internet auf einigen Wetterportalen die Wetterwarnungen, Blitzkarten und die Zugrichtungen der Gewitterzellen. Über Frankreich lagen Gewitter, die schnell in Richtung Pfalz zogen. Ergo bin ich schnell mit dem Fotokram ins Auto und habe mich auf der Fahrt zum Fotospot vom Himmel und den ziehenden Wolken leiten lassen. Eine ganz neue Erfahrung für mich, unter der Auswahl der Fotospots, die doch einige Kilometer auseinander liegen schnell währen der Fahrt zu entscheiden.

Der Stäffelsbergturm bei Dörrenbach schien mir ideal. Auf dem Weg dort hin war vor mir schon eine dicke Gewitterzelle. In der Ferne war der Regen zu sehen. Ups, die ist aber schneller als gedacht.

Ich kam im Wald an und der Regen war bereits wieder verzogen. Die Wege waren voll mit den herunter geschlagenen Kastanienblüten. Als ich oben auf dem Turm ankam, pfiff wir ein heftiger Wind um die Ohren. Der Ausgleich der Luftmassen war extrem zu spüren. Ich musste das Stativ fest auf den Boden drücken, um einige scharfe Aufnahmen machen zu können. Die große Gewitterwolke, die ich auf dem Weg hierher passierte, zog schon weiter. Jedoch kein Donner und kein Blitz kam aus ihr heraus.

Die beeindruckende Wolkenform dieser Cumulonimbus zog mich aber in den Bann. Die tief stehende Sonne war kurz vor dem Untergehen und leuchtete die Wolke golden an.

So gelangen mir an diesem Abend zwar gute Fotos vom Pfälzerwald und dem Abendlicht, aber keine der gewünschten Blitze.

Stäffelsbergturm, Sommergewitter, Pfälzerwald

Stäffelsbergturm, Sommergewitter, Pfälzerwald

Zwei Tage später wollte ich es erneut versuchen. Tagsüber verfolgte ich wieder auf der Blitzkarte die heranziehenden Gewitter. Mein Arbeitstag endete jedoch erst gegen 19:00 Uhr und mein Zeug und das Abendessen lagen noch daheim. Passte von der Zeit her auch. Zuhause checkte ich noch schnell die Wetterlage und ein befreundeter Fotograf versorgte mich mit Profiinformationen vom Wetterdienst der Feuerwehr. Da kommt eine große Gewitterfront, eine Stunde sollte sie da sein. Auf dem Weg zum Auto noch schnell die Essensreste runtergeschluckt und mit Bleifuß zum Luitpoldturm. Kurz davor kamen schon kirschgroße Wasserplatscher aufs Auto. Schirm auf, Rucksack geschultert, Stativ in die Hand und ab in den Wald. Da prasselt auch schon der Hagel runter, mir wird mulmig, hält der Schirm? Schirm bei Gewitter? Der Turm ist in Sichtweite, jedoch soooo weit weg. Ich renne also wie bei der Bundeswehr mit dem Marschgepäck im Eiltempo den Waldweg hinauf, keuchend und schwitzend, in der Hoffnung, es wird nicht schlimmer. Immerhin ist mir mein Leben noch lieb. Doch als ich ankomme lässt der Hagel nach, die Donner verstummen, puh, das war knapp.

Vom Turm aus bietet sich eine Rundumsicht, ich schätze jeweils 20 Kilometerweit  in jede Richtung kann ich sehen.

Der Regen zieht ab und zurück bleiben Wolken und Nebelfetzen in den Tälern. Die Reste eines Regenbogens stehen im Osten während im Westen die tief stehende Sonne auf die Region um Waldfischbach scheint. Wieder nichts von Wolken aus denen es blitzt zu sehen. Die Cululonimbusse umkreisen mich und scheinen bedrohlich zu sagen, verzieh Dich!

Luitpoldturm, Pfälzerwald, Sommergewitter, Cumulonimbus
Luitpoldturm, Pfälzerwald, Sommergewitter ziehen ab

Mensch, ich will doch Blitz denke ich enttäuscht und freue mich aber dennoch über die Lichtstimmungen. So wechsle ich die Standorte, die Brennweiten und fotografiere genüsslich die Pfälzer Wälder mit den Gewitterwolken. Das Licht wird dann zum Sonnenuntergang hin dramatisch, die goldenen Sonne färbt die Wolken ein währen in den Tälern kalt blau die Wolkenfetzen hängen.

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Pfälzerwald, Sommergewitter, die Sonne strahlt
Luitpoldturm, Pfälzerwald, Sommergewitter, Cumulonimbus
Luitpoldturm, Pfälzerwald, unglaubliches Licht
Luitpoldturm, Pfälzerwald, Sommergewitter, Cumulonimbus
Luitpoldturm, Pfälzerwald, kurioses Licht- die Sonne ist weg, die Wolken leuchten gelb

Einige Zeit später blitzt es zunehmen im Osten. Yes, ich montiere mein Teleobjektiv und kämpfe mit dem Wind. Der weht wieder kräftig und lässt lange Verschlusszeiten nicht zu. Ich suche Windschatten und hänge am Stativ. Die Blitze sind nicht kalkulierbar, ist ja klar. Also entscheide ich mich für eine Kompromiss aus kurzen Verschlusszeit, hoher ISO, offener Blende und Dauerfeuer. 4 Sekunden Belichtungszeit empfand ich akzeptabel. Doch leider waren die Leuchtfeuer am Himmel hinter Wolken versteckt, so dass mir kein Blitz direkt in Bild wollte. Auf den Kopfhörern säuselte mir Beth Hart ins Gemüt während der Wind das Resthaar auf meinem Kopf wie Mikado anordnete. Ich hielt noch bis in die Dunkelheit aus und schaute immer gen Süden, ob noch etwas anrollen wird. Während ich bei mir daheim noch bei 38°C fortgefahren bin, waren es mittlerweile kühle 20 Grad weniger!

Luitpoldturm, Pfälzerwald, Sommergewitter, Cumulonimbus
Luitpoldturm, Pfälzerwald, Richtung Osten Wetterleuchten am Himmel

Auf dem Rückweg zum Auto funkelten mir aus dem Dickicht noch ein Augenpaar im Licht der Stirnlampe entgegen. Was ist das? Ein Fuchs, ein Hase, ein Dachs, ein Marder- ich will es genau wissen. Meine Handylampe leuchtete dann alles perfekt aus. Ich stand keine zwei Meter neben einem Fuchs dem meine Anwesenheit relativ egal war. Ich beobachtet den kleinen Räuber noch ein Weile und verzog mich ins Auto.

Ich werde bestimmt noch weitere Versuche unternehmen, um Blitze in ein gutes Landschaftsfoto aus dem Pfälzerwald zu bekommen. Ob es dann klappt? Wer weiß?

Nach dem Ihr nun den Artikel gelesen habt, wisst Ihr ungefähr, wie man theoretisch Gewitter fotografiert. Ein paar Tipps möchte ich den unerfahrenen Lesern noch an die Hand geben.

  • optimal ist der Bereich der blauen Stunde bis hin zur Dunkelheit, oder umgekehrt
  • sucht Euch einen sicheren Platz, auch aus dem Auto oder Wohnung heraus geht das
  • die Belichtungszeit sollte zwischen 4-20 Sekunden liegen
  • geht ruhig mit der ISO hoch soweit wie Eure Kamera das erträglich kann
  • nutzt den Serienbildmodus, dann verpasst Ihr keinen Blitz
  • vorher ein mal fokussieren und dann den AF abschalten

Zum Schluss möchte ich noch den Hinweis auf den Newsletter geben. Meldet Euch unten in dem Feld an und verpasst keinen Artikel mehr.

 

6 Comments

  • Jules Kitano Juli 24, 2015 - 6:42pm

    Hallo Raik, danke für die Beschreibung. Hab das Gefühl, ich wär dabei gewesen.

    Antworten

  • Phillip Juli 9, 2015 - 11:45am

    Interessanter Artikel.
    Aber wie genau kommst Du zu den abschließenden Tipps, wenn selbst noch keine Fotos mit Blitz gelungen sind? Oder gibt es solche bereits, nur nicht im Artikel?
    Besonders den Hinweis mit der hohen ISO-Einstellung möglichst am (erträglichen) Kameralimit verstehe ich nicht, denn bei 4-20 Sekunden Belichtungszeit während der Dämmerung sollte ich diese doch noch nicht benötigen?

    Antworten

    • Author Juli 9, 2015 - 1:13pm

      Hallo Phillip,
      mir sind schon Blitzfotos gelungen, nur nicht im Pfälzerwald. Da Foto hier aus dem Beitag mit dem Wetterleuchten hat folgende Einstellungen:
      ISO 2500, 2.5 Sekunden, F 4,5.

      Antworten

      • Marc Kroeten Juli 10, 2015 - 10:24am

        Wäre es nicht sinnvoller gewesen etwas länger zu belichten und dafür die ISO runterzuschrauben? Ich denke, daß man mit längerer Belichtungszeit bessere Chancen hat einen bzw. mehrere Blitze einzufangen.
        Vor allem wäre das Rauschen nicht so stark wie in Ihrem Beispiel.

        Gruss Marc

      • Author Juli 10, 2015 - 10:31am

        Hallo Marc,
        wie ich schon schrieb, war es dort oben auf dem Turm extrem windig. Ich habe mit der Kamera und dem Stativ den Windschatten des Turmes gesucht.
        Lange Verschlusszeiten führten zu unscharfen Bildern. Die Aufnahme entstand mit einer Telebrennweite.
        Ich stimme dir aber zu 100% zu, dass längeres Belichten die Chancen auf einen Blitz im Bild erhöhen.
        Grüße
        Raik

  • Jens Ledergerber Juli 9, 2015 - 8:24am

    Vielen Dank für den Newsletter!

    Gruß
    Jens

    Antworten


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