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MEILENWEIT GELAUFEN UND NUN AM ENDE – GUTES SCHUHWERK

Ein Hommage an gutes Schuhwerk

Meine treuen Weggefährten, mit denen ich meilenweit gelaufen bin sind nun am Ende, sie halten nicht mehr dicht und haben ihren Dienst getan. Doch warum schreibe ich ausgerechnet einen Blogartikel über Wanderschuhe? Ich bin Fotograf, kein Almöhi.

Gutes Schuhwerk ist für mich persönlich extrem wichtig. Es gibt mir halt, bei meinen Wanderungen in die allermöglichsten Terrains. Stabile Wanderstiefel sind meine Lebensversicherung, wenn ich in den Bergen auf der Suche nach dem besten Fotospot rumklettere, wenn ich auf rutschigen Felsen am Wasserfall balanciere oder hartgefrorene Schneefelder queren muss.

Seit dem ich ernsthaft und mit eigenem Anspruch auf meine Fototouren gehe, habe ich mir vor einigen Jahren meine ersten vernünftigen Wanderstiefel von Mammut gekauft. Damals bin ich erschrocken über die Kosten und habe den hohen Kaufpreis erst einmal verkraften müssen. Doch aus heutiger Sicht sind die Anschaffungskosten auf das Jahr der Lebensdauer runtergerechnet einfach Peanuts- im Vergleich zum Nutzen.

Lombok Mt Rinjani
Lombok Mt Rinjani

Die erste große Tour mit dem Mammuts war die Besteigung des Vulkans Rinjani auf Lombok im Jahr 2011. Davor stapften die Stiefel einige Wanderwege zum Training für diese Tour die Wege im Pfälzerwald platt.

Die Bedingungen am Rinjani waren wie folgt:

Ausgewaschene Trampelpfade, Hitze, Wurzeln, Geröll, Felsen und Lavasteinchen. Dabei regenete es immer wieder und die Stiefel hielten allem stand. Wenn das Wasser dann aber die Beine herabläuft und von oben die Schuhe volllaufen, dann nützen die besten Membranen im Schuh nichts. Die Blutegel fanden das Klima an meinen Waden jedenfalls zum ablecken geil.

Lombok Mt Rinjani
Weg zum Vulkan Rinjani
Lombok Mt Rinjani
Lombok Mt Rinjani

Im Mai 2012 wanderte ich mit den Stiefeln über die Höhen der Abruzzen am Campo Imperatore und Rocca Calascio. Wieder felsiger Untergrund, den Stiefel habe ich dabei in den Bergsee gestellt und auch Schnee waren die Herausforderungen, alles prima gemeistert.

Abruzzen
Abruzzen

Anstrengend war das Gelände rund um den Ätna auf Sizilien. Scharfe Lava, feinste Lavabröcken und Bims, die das perfekte Schleifmittel bilden scheuerten am gummierten Geröllschutz. Einzig die feinen Lavasteinchen verirrten sich in die Stiefel. Noch Jahre danach kam irgendwo aus den Poren und Tiefen des inneren Stiefels Lavagries heraus.

Bereits hier am Ätna schützten mich die Stiefel mehrmals vor dem Umknicken, wozu ich Talent habe. Ich möchte es nicht ausmalen, auf 2300m Höhe irgendwo an einer Geröllhalde liegen zu bleiben, weil der Fuß oder Knöchel verletzt ist.

Ätna
Landschaft am Ätna

Vulkane haben mich in ihren Bann gezogen und so waren die Mammuts auch wieder 2013 mit von der Partie. Es ging 900 Meter nach oben zum Gipfel des Stromboli. Wieder unwegsames Gelände, Felsen und Aschefelder. Überall haben mich diese Stiefel sicher, bequem und treu hin begleitet.

Stromboli
Stromboli Eruption

Die Kraterlandschaft am Teide in Teneriffa konnte ich sicher mit meinen Stiefeln begehen, immer wieder zwischen scharfkantiger Lava hindurch, über sandige Wege und steinhartes, verholztes Gebüsch. Selbst wenn ich mitten in der Nacht die Finsternis für die Milchstraßenfotos nutzte und dabei unaufmerksam war, weil müde umzuknicken drohte, der Stiefel stütze die Knöchel.

Teide
Teide
Scharfkantige Lava – Danke an Katharina Jaisle
Teide
Teide

Bei kalter Witterung sind diese Stiefel nicht die erste Wahl, da ich sehr schnell auch mit 2 paar Socken kalte Füße bekam. Aber auch hier, immer sicherer Stand und wenig rutschen.

In Norwegen wurden meine Füße schnell kalt, ich hatte die Mammuts sozusagen nur als Backup dabei.

Lofoten
Lofoten

Felsenschluchten, Wasserläufe, rutschiges Gestein, das alles ruft mich in den Süden der Schweiz, in die Verzascaschlucht. Hier könnte ich stundenlang fotografieren. Dafür braucht es aber einen sicheren Halt, sonst rutscht man schneller ins kalte, wilde Wasser als es einem lieb ist.

Verzasca
Verzasca – rutschige Felsen

Die Schweizer Alpen waren ein hartes Einsatzgebiet, schroffe Granitfelsen, weiche und nasse Bergwiesen, Bachquerungen, Schnee und Eis, das muss ein guten Wanderstiefel alles abkönnen. Um sicher auf dem Rhonegletscher stehen zu können hatte ich meine bewährten Snowline Chainsen Pro – Grödel, Spikes unter den Schuh gespannt. Bereits auf den Lofoten hatten mir die Spikes das Laufen auf vereisten Gebieten ermöglicht. Ohne diese Krallen geht es einfach nicht! Selbst im Schwarzwald auf den rutschigen Felsen spanne ich die Spikes drunter und kann so auf den Steinen sicher rumturnen.

Sustenpass Schweizer Alpen
Sustenpass Schweizer Alpen, gemischte Bedingungen

Ich kraxle gerne Felsen hoch um meinen Fotospot zu finden, kaum bin ich mit dieser Sohle der Mammuts abgerutscht, immer bester Halt.

Die Mammuts durften auch nach Übersee. Die großen Landschaften der USA haben sie betreten, in den Mesquite Dunes, mittlerweile von oben mit SALEWA Gamaschen abgedichtet, standen sie und auch auf den reibenden Salzkrusten von Badwater. Sicher konnte ich damit in den Slotcanyons von Page klettern und meine Fußspuren in den Pink Coral Dunes hinterlassen.

Slot Canoyn
Slot Canyon USA
Mesquite Dunes
Mesquite Dunes
Pink Coral Dunes
Pink Coral Dunes USA

Die Sohlen haben viel erlebt, wurden von mit malträtiert und gequält. Asphalt, Bims, Sand, alles hat da am Gummi rumgerubbelt. Aber das Profil ist immer noch gut.

Einzig, ja einzig die Wasserdichtheit haben sie im Laufe der letzten Jahre verloren.

Anfänglich konnte ich noch mit Imprägnierspay und Grönlandwachs die Nähte und das Leder gerade so dicht halten. Ich pflege meine Schuhe, doch irgendwann wurde das Leder dann doch brüchig und über die Zunge läuft Wasser rein. Einzig die Schnürsenkel haben alles ausgehalten und sind niemals gerissen!

Stillach Oberstdorf
Stillach Oberstdorf

Gerade mein letzter Trip ins Allgäu war dann der Todesstoß für mein geliebten Wandersteifel. Egal wie kurz ich die Stiefel im Bach abstellte, die Füße waren nass. Es war Sommer und noch zu verschmerzen. Längere Wanderungen mit nassen Socken gehen einfach nicht gut. Zum Rumlatschen im Pfälzerwald bei trockenem Herbstwetter halten sie noch, aber für anspruchsvolles Gelände muss nun neues Schuhwerk her.

Stillach Oberstdorf
Stillach Oberstdorf

Und jetzt beginnt die Tortour.

Welcher Stiefel, welches Material, welche Firma, welches Innenleben.

Nun, ich könnte es mir einfach machen und in den Schuhladen dackeln und zum Verkäufer sagen, „mach mal“, doch ich wüsste jetzt spontan nicht, wo ich da in meiner Region hingehen sollte und wem ich da blind vertrauen kann. Ich weiß wie Verkäufer ticken, ich weiß um die Problematik des Fachkräftemangels im Einzelhandel. Alte Hasen mit Erfahrung und Wissen, die dir nichts aufschwatzen zu finden ist heutzutage schwer. Oft stehen Quereinsteiger aus dem Bankwesen oder Hausfrauen auf Minijobbasis im Ladengeschäft, ich weiß, wovon ich spreche. Gute Beratung ist mir Geld wert.

Ich möchte wissen, was ich am Fuß trage und möchte meine Einsatzgebiete selbst definieren. So stellte sich mit erst die Frage, Wanderschuhe, was ist das?

Meine Recherche brachte mich zu dem Ergebnis, ich brauche Trekkingstiefel.

Diese sind ein Kompromiss aus Bergstiefel, der Festigkeit geben soll und zusätzlich einiges an Komfort. Ich wollte einen Stiefel, der höher gebaut ist, der mir sicheren und stabilen Halt gibt. Einen Stiefel mit dem ich, was ich ja fast immer tue, einen 15 Kilo schwerden Rucksack längere Zeit tragen kann. Ich möchte im Bergbach damit stehen können, er soll ein wenig wärmen, die Sohle soll für das Beklettern von Felsen Grip bieten. Ich möchte damit Spikes oder auch mal Steigeisen benutzen, ich mag damit über Schneefelder und Geröll gehen.

Also keinen Sonntagmittagsommerpfälzerwaldwanderwegschuh. Schlussendlich bin ich auf moderne Bergstiefel gestoßen.

Final bin ich nun bei Lowa hängen geblieben. Ich hatte für meine Enge Wahl den Salewa Raven Combi GTX, Lowa Tibet GTX und Lowa Cevedale Pro GTX herausgefiltert.

Meindel scheidet bei meinen schmalen Füßen aus, Mammut bietet mir aktuell nichts, was mich überzeugt hat.

Der Salewa schied leider aus, da er nicht mehr verfügbar ist, der Lowa Tibet war mir ein wenig zu niedrig und ein Lederstiefel ( ich wollte es dieses mal ein wenig leichter haben ), es blieb übrig der Lowa Cevedale.

 

1 Comment

  • Rainer Juli 24, 2017 - 10:01am

    Raik,
    wenn du Wander/-Bergschuhe kaufen möchtest und Wert auf eine gute Beratung legst, kann ich dir das Schuhgeschäft „Schuh Keller“ in Ludwigshafen empfehlen; Ich habe dort auch schon eingekauft und fand die Beratung sehr kompetent; das Personal ist freundlich und nimmt sich Zeit. Ich habe auch einige Bekannte, die dort schon ihre Wanderschuhe gekauft haben und alle waren mit der Beratung zufrieden.

    Meine letzten Wanderschuhe habe ich zwar nicht dort gekauft, aber auch nur deswegen, weil sie mir mitten während meines Urlaubes kaputt gingen und ich dringend Ersatz brauchte.

    Antworten


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