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Motivation zum Verlassen der Bequemlichkeit

Oft fragen mich die Menschen wie ich es schaffe, solche Landschaftsfotos zu machen.

Darauf antworte ich dann, „ich verlasse die Komfortzone, stehe früh auf und gehe dort hin, wo andere nicht hingehen.“

Ein wichtiger Aspekt neben der Technik ist die Liebe zur Fotografie und Hingabe, die mich antreibt, den Wecker auf Zeiten zu stellen, zu denen der Nichtfotograf noch im warmen Bett liegt. Wenn das Licht noch weich ist, die Farben des Morgens zart, dann ist das nicht erst um neun Uhr sondern oft in der nautischen Dämmerung, die je nach Jahreszeit und der geografischen Position von 04:30-07:30 Uhr sein kann. Dazu kommt noch die Anreisezeit zur Location und ich stehe oft mitten in der Nacht auf, um meine Fotos realisieren zu können. Das ist Teil eins der Komfortzone. Oft ist es beschwerlich, einen besonders interessanten Fotospot zu erreichen. Ich muss zugeben, dass ich mir gegenüber zwar wenig Gnade kenne, jedoch meine Fußmärsche auf maximal eine Stunde pro Strecke definiere. Flüsse müssen überquert werden, Berge erklommen, durch Dickicht wird sich durchgeqält. Eine Hütte steht weit entfernt, der Tiefschnee steht zwischen mir und ihr, doch ich will dort hin. Dabei ist die Ausrüstung schwer und der Wind eisig.

Das zählt für mich zu Teil zwei der Komfortzone.

Lofoten
Lofoten, im eisigen Wasser für eine Langzeitbelichtung

Oft liege ich hinter dem Stativ, um meinen tiefen Bildaufbau kontrollieren zu können. Es kommt vor, dass ich mit weit gespreizen Beinen auf 2 Felsen am Wasserfall balanciere ähnlich einer Yogaposition, um ein bestimmtes Motiv fotografieren zu können. Schnell gibt es da mal einen Wadenkrampf. Unbedingt will ich an eine bestimmte Stelle im Flussbett und muss dann mitten durch. Da wird auf glitschigen Steinen rumgeeiert und die Gefahr von Wasser im Stiefel steigt an.

Als Teil drei der Komfortzone benenne ich hier die Neigung, sich selbst zu kasteien und ein Stück Wahnsinn.

Uttakleiv Lofoten,
Uttakleiv Lofoten, je tiefer, je besser

So weit so gut.

Ein paar Beispiele sollen meine bis dahin leeren Wort nun untermalen.

Mir fällt dazu sofort der Jahreswechsel 2014/2015 ein. Ich bin spontan für 2 Tage zusammen mit meiner Partnerin ins verschneite Oberstdorf/ Allgäu gefahren. Schon im Vorfeld habe ich mir lohende Fotospots zusammengesucht und die Zeiten der Sonnenauf- bzw Untergänge recherchiert. Ich hatte genau vor Augen, wann ich in dem Tal der Stillach sein möchte und ich hatte mein Foto bereits im Kopf.

Der Wettergott spielte mir in die Karten und ich sah am Abend zuvor bereits, dass der Himmel aufklaren wird. Optimale Bedingungen für mein Vorhaben. Der Jahreswechsel vollzog sich in einer Traumhaften Kulisse. Bereits um 05:30 Uhr klingelte mich der Wecker aus dem warmen Bett und ich stapfte durch den knackenden Schnee bei -11°C zum Auto. Mein Weg führte mich zuerst an einen Waldrand, wo im Schnee kleine Hütten nahe der schneebeladenen Fichten stehen. Über mir ein tiefblauer Himmel mit wenigen Eiswolken. Die Sterne funkelten an dem extrem klaren Himmel. So viel Schnee habe ich in meiner Heimat noch nie gesehen.

Oberstdorf, Winter, Hütte im Schnee

Wäre ich im Bett geblieben, hätte ich diese Fotos nie machen können, zumal es die einzigste klare Nacht in Oberstdorf im Zeitraum von zehn Tagen war und ich gerade diese erwischt habe.

Nachdem die Sternenfotos auf der Speicherkarte waren fuhr ich weiter zum Stillachtal, wo der gleichnamige Fluss durch die Wälder fließt. Ich war mit Handynavigation zu Fuß auf der Loipe unterwegs und ahnte im Dunklen nur ungefähr, wo sich die Stelle befindet, an der ich fotografieren wollte. Mit der Stirnlampe zielte ich ins Dickicht neben dem Weg und stellte nach zwei Schritten dort hin fest, dass der Schnee hier Hüfthoch ist. Ich begann, mich mit dem zwölf Kilo schweren Rucksack und dem Stativ in der Hand durch die Büsche hinab zum Flussbett zu kämpfen. Doch die Strapazen wurden mit einer sensationellen Landschaft und einer einzigartigen Atmosphäre belohnt. Langsam erhellte sich der Himmel, einige Sterne waren noch am Himmel während sich die schneebedeckten Berge von dem dunkelblauen Morgenhimmel abhoben. Ich suchte am Fluss einige brauchbare Standpunkte zusammen und machte einige Aufnahmen. Währendessen kämpfte ich mit der Vereisung meines Statives. Die Verschraubungen der Beine waren zugefroren, am Stativ klebte das gefrorene Flusswasser. Der Taschenofen erwärmte mich wenigstens teilweise, währen meine nassen Hosenbeine bis zu den Knien steif wurden. Das war mir relativ egal, da in diesem Zeitraum die von Osten tief scheinende Morgensonne die weissen Gipfel der umliegenden Berge grellgelb anstrahlte. Ich balancierte auf einem glitschigen Baumstamm im Wasser um genau diese Stelle ins Bild zu bekommen. Ein wankender Schritt oder Ausrutscher nach vorne und ich fliege nebst Kamera ins eiskalte Wasser hinab. Fünf Zentimeter zurück und ich stehe mitten in den Fluten. Das alles nach vier Stunden Schlaf mit leerem Magen, ohne Kaffee oder irendwelchen Kohlenhydraten.

Oberstdof, Allgäu, Stillach

Das war ein unvergesslicher Morgen, ein berauschendes Gefühl und ein zauberhaftes Licht. Das alles möchte ich für nichts in der Welt eintauschen und kann mir keiner nehmen.

 

Oberstdorf im Tiefschnee
Knietief im Schnee auf dem Weg zur Hütte
Holzhaus,Oberstdorf,Schnee,Silveseter 2014,Winter
Kleine Hütte im Tiefschnee

Kurz vor dem Jahreswechsel schneite es auch in der Pfalz. Welch ein Wunder, der Schnee blieb liegen. Spontan fuhr ich mit zwei befreundeten Fotografen in den Pfälzerwald. Die Nacht war wolkenfrei und der zunehmende Mond hellte die Landschaft auf. Bereits zur Mitte der Nacht hin sollte es sich wieder zuziehen. So fuhren wir also ins Wellbachtal und von dort hinauf zum Annweiler Fosthaus. Im Vorfeld rätselten wir, ob wir den verschneiten Waldweg mit dem Auto überhaupt hinauf kommen werden. Schließlich hatten wir circa 30cm Neuschnee und die Nacht war mit -9°C reichlich kalt. Mit etwas Glück, viel Gefühl im Gasfuß kamen wir aber die 4km ansteigende Straße hinauf.

Von dort, dick eingepackt, liefen wir mit der Stirnlampe bewaffnet eine halbe Stunde durch den verschneiten Wald zum Kirschfelsen. Wir hatten viel Spaß, haben reichlich gelacht und unter dem Sternenhimmel genau die Fotos gemacht, die wir im Kopf hatten. So mancher hätte bei diesen Witterungsbedingungen vermutlich das Auto stehen gelassen und sich am Ofen gewärmt. Jedoch war NUR diese Nacht perfekt, der Mond war noch nicht zu hell und stand hinter uns, wir hatten viel Schnee und einen wolkenlosen Himmel.

Kirschfelsen,Night#,Pfälzerwald,Winter
Kirschfelsen im Pfälzerwald

 

Das alles habe ich erlebt, weil ich motiviert bin die Komfortzone zu verlassen und weil ich die Bequemlichkeit eines warmen Bettes gerne gegen diese Momente eintausche.

Dazu gehört eine Portion Entdeckergeist, ein Schuss Wahnsinn und viel Spaß daran, dem Alltag zu entfliehen und die einzigartigen Momente in der Natur erleben zu wollen.

1 Comment

  • Thomas Mai 24, 2015 - 8:03pm

    Ein toller Artikel, der auf sympathische Art genau beschreibt, was einen Naturfotografen ausmacht. Am besten gefällt mir der Schlusssatz: „… Entdeckergeist, ein Schuss Wahnsinn und viel Spaß…“.
    Thomas

    Antworten


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