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Projekt Milchstraße – wie ich es mache

Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald

Projekt Milchstraße – wie ich es mache, möchte ich in diesem Beitrag erklären.

Es ist Sommer und damit die Jahreszeit, in der das breite Band der Milchstraße Nachts am Sternenhimmel sichtbar ist. Dafür muss der Landschaftsfotograf aber spät ins Bett. Denn im Sommer sind die Nächte kurz und der Bereich vollkommener Dunkelheit ist auf wenige Nachtstunden zusammengepresst.

Teide Nationalpark - Teneriffa
Teide Nationalpark – Teneriffa

Es war in der ersten Julihälfte diesen Jahres, als ich mich auf die Jagd nach dem Sternenlicht machte.

Bei uns in der Pfalz ist der Sommer die Zeit der Feste, z.B. dem „Landauer Sommer“. Die Stadt ist voll mit Menschen, überall brüllt laute Musik aus den Gassen, in denen verschiedene Live Bands mal gut und mal schlecht spielen. Wie in den Sommerferien die Autobahnen ist auch die Innenstadt überfüllt, es staut. Von hinten schmiert Dir einer das Ketchup ans T-Shirt, von vorn bekommst Du ein Schwall Schorle ab, super. Ich bin ein geselliger Mensch, aber solche Menschenaufläufe sind mir suspekt und ein Graus. Zeit in die Stille zu fahren. Schon am Morgen habe ich geschaut, wie das Wetter wird, bleibt es klar, wo steht der Mond, wann steht die Milchstraße hoch am Himmel und in welcher Himmelsrichtung steht sie. Alles sieht gut aus, die Location wird passend gewählt. Ich habe das Glück, dass hier im Pfälzerwald einige Stellen strategisch günstig liegen und sich die Lichtverschmutzung in Grenzen hält.

Auf dem erwähnten Stadtfest stehe ich am Rand, wo man sich einigermaßen unterhalten kann. Es dämmert, der Blick geht hoch zur Kirchuhr, 22:30 Uhr und ich werde unruhig und quängelich.

Im Kopf rechne ich die Zeit, die ich brauche: nach Hause fahren, umziehen, zur Location fahren, hochlaufen, ok, sieht gut aus.

Angekommen an dem großen Sandsteinmassiv funkelt mir auch schon schwach sichtbar, die Milchstraße entgegen.

Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald
Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald

An dieser Stelle möchte ich Euch allerdings die Illusion nehmen, das Sternenband mit dem bloßen Auge so detailliert und hell zu sehen, wie Ihr es oft auf den Fotos seht. Zwar sammelt die Kamera im Laufe der Belichtung das nicht sichtbare Licht ein und verstärkt damit die Milchstraße, aber so sieht man sie nicht! Nicht in Deutschland, nicht in Teneriffa auf 2200m Höhe und nicht auf den Malediven am Ende der Lichtverschmutzung. Ich habe in meinem fotografischen Leben schon viel Sternenhimmel gesehen, ab so hell erschien Sie mir nie wie ich sie auf unzähligen, fast schon vergewaltigten Fotos gesehen habe. Sei´s drum, mit etwas Bildbearbeitung kann man die Details und Kontraste verstärken. Es ist aber keine fünf Minuten Sache. Klar muss das RAW erst einmal interpretiert werden. Es sind viele Kontrastmasken, Detailverstärkung, Farbkanaleinstellungen etc nötig. In welchem Umfang das jeder Fotograf macht und wie stark, ist persönliche Geschmackssache. Ich versuche es nicht zu übertreiben. Zurück zum Nachtausflug.

So kommt das Foto direkt aus der Kamera, ohne Korrekturen!
So kommt das Foto direkt aus der Kamera, ohne Korrekturen!

Ich suchte mir einen geeigneten Platz, an dem ich ein Panorama aufnehmen konnte. Fünf Aufnahmen mit 20 Sekunden, Blende 1.4 und einer ISO von 4000 ließen das Band schön rauskommen.

Die fünf Fotos habe ich dann zu einem Panorama in Photoshop zusammengebaut und einiges an EBV in das Bild gesteckt.

Nach einigen Milchstraßenaufnahmen war noch ein Selfi dran. Zum Abschluss der Nacht schwirrte mir noch ein Tele-Startrailsbild im Kopf rum. Die Burgruine Lindelbrunn auf dem Hügel war perfekt dafür. Ganze 12 Minuten mit knappen 80mm Brennweite reichten aus um die Sterne ihr Bahnen ziehen zu lassen.

Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald
Sternenspuren , Pfälzerwald

Währen der langen Belichtung legte ich mich auf den von der Sonne aufgeheizten Sandstein. Mein Blick versank in den Tiefen der Galaxie, der Felsen wärmte mich und in der Ferne riefen Eulen.

Das wahr zehnmal besser, als auf dem Stadtfest zusammen mit tausenden von Menschen.

Noch viel detaillierter ist die Milchstraße jedoch dort zu sehen, wo die Luft klar ist und die Lichtverschmutzung ausgeblendet wird. Als Beispiel dafür möchte ich Euch meine Ergebnisse aus Teneriffa zeigen. Die Canadas bzw. die Caldera des Teide liegt in dem erwähnten Bereich. Auf einer Höhe von runden 2200m üNN befindet man sich weit über dem Dunst, die Luft ist klar. Die Bergketten ringsum blenden das helle Band der Beleuchtung einiger Städte komplett aus.

Bei Neumond findet Ihr die besten Bedingungen. Jedoch ist der Bildvordergrund oft so dunkel, dass mit einer Aufnahme kaum Struktur darin zum Vorschein kommt. Ich behelfe mir dann mit zwei Aufnahmen, ein für den Himmel und ein Aufnahme mit etwas geschlossener Blende, sagen wir Blende 4.0 und 60 oder 120 Sekunden.

Diese baue ich dann für ein Foto zusammen:

Teide Nationalpark - Teneriffa
Teide Nationalpark mit 14 mm Brennweite  ISO 5000 und 35 Sekunden Blende 2.8

 

Teneriffa, Teide, Caldera, Milchstrasse
Teneriffa, Teide, Caldera, Milchstraße mit 24mm  ISO4000 und 30 Sekunden Blende 2.0 – Oneshot

Ein paar Tipps für die Anfänger in der Nachtfotografie habe ich dann final zusammengetragen:

  • such einen sehr dunklen Ort auf, ohne Blick auf irgendwelche Lichtquellen
  • meidet Lichtverschmutzung
  • die Kamera muss aufs Stativ!
  • wählt eine offene Blende, soweit wie das Objektiv es kann
  • geht mit der ISO an den Rand des Wahnsinns
  • belichtet brennweitenabhängig beim Weitwinkel nicht länger als 30 Sekunden
Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald
Milchstraße am Rötzenfelsen, Pfälzerwald

 

 

8 Comments

  • Klaus August 8, 2016 - 8:55am

    Servus,

    gestern Nacht war ich auf dem Rötzenfels, es war wieder mal Zeit dafür. Das letzte Mal am späten abend/frühe Nacht, war im Dezember 2013! Da war nix mit Milchstraße. Aber heute. Mann war das ein tolles Erlebnis. Es war durchgehend recht windig. Auf der Lindelbrunn war noch eine Party am Laufen, man konnte durchaus verstehen , was die leute sprachen. Aber nach Mitternacht war’s still.

    Antworten

  • Phillip Juli 16, 2015 - 1:28pm

    Hallo Raik,

    danke für den Artikel.
    Du empfiehlst für Weitwinkel eine Belichtungszeit von 30 Sekunden. Wie sieht das ganze denn bei der ebenfalls verwendeten 50mm Brennweite aus? Für das Panorama hast du 20 Sekunden eingestellt, geht da noch mehr, ohne dass Sternspuren entstehen?

    Viele Grüße

    Antworten

    • Author Juli 16, 2015 - 4:39pm

      Hey Phillip,
      grob kann man am Vollformat mit der Formel 500 geteilt durch Berwweite rechnen. Da kämst Du auf 10 Sekunden. Ich hatte für das Pano 24 mm dran, da geht dann nicht viel mehr, sagen wir maximal 25 Sekunden.

      Antworten

      • Markus Juni 8, 2016 - 1:24pm

        Hallo Raik,

        Bezüglich Panoramabilder, benutzt du einen Nodalpunktadapter dafür oder lichtest du die Bilder einfach mit einer gewissen Überlappung auf dem Stativ ab? Falls du es nur auf dem Stativ hast, in was für einem Winkelabstand machst du die Bilder bei einem 24mm Objektiv? Ich habe vorgestern versucht ein Panoramabild der Milchstrasse im Hochformat aufzunehmen, konnte es aber nicht mit Photoshop zusammenfügen :(. Gruss

      • Raik Juni 8, 2016 - 1:35pm

        Hallo,

        ich nutze eine Nodalpunktschiene, den Nodalpunkt habe ich selbst ermittelt. Dann überlappe ich die Bilder ein wenig wegen der Vignette. Das ist es, mehr nicht.
        Viel Spaß damit

  • Marc Kroeten Juli 14, 2015 - 9:17am

    Hallo Raik,
    als ich die Überschrift gelesen hab, dachte ich jetzt kommt eine Erklärung zur Bearbeitung.
    Das hätte mich mal interessiert.
    Was mich aber noch mehr interessiert, sind Deine Kameraeinstellungen.
    20 Sekunden bei ISO 4000 und bei Blende 1.4
    Kann es sein, daß Du sogar nachts Verlaufsfilter benutzt? Ansonsten wäre doch der Horizont total ausgebrannt.

    Gruss Marc

    Antworten

    • Author Juli 14, 2015 - 9:28am

      Lieber Marc,
      zur EBV möchte ich hier nicht viel verlieren, es erscheint mir zu komplex und ist meiner Meinung nach nur in einem aufwendigen Tutorial in Form eines Videos zu erläutern.
      Zu Deiner Frage nach den Exif. Du hast mich durchschaut. In der Tat hatte ich einen 0.6 Reverse Grad montiert. Somit gelang es mir, den total abgesoffenen Vordergrund sichtbar zu machen und die Lichtverschmutzung am Horizont damit um 1EV abzudunkeln. Damit habe ich vermutlich ein wenig an Details in der Milchstraße geopfert zu gunster der Zeichnung im VG. Somit blieb es mir erspart, mehrere Aufnahmen zuüberblenden.

      Antworten

  • Frank Hockertz Juli 14, 2015 - 6:30am

    Raik,
    Deine Bilder beindrucken mich immer wieder – wirklich Top!
    Und auch ich empfinde Erfurcht und Respekt vor der Schönheit eines klaren Sternenhimmels.
    Immer wenn ich mir etwas ähnliches vornehme meint es der Wolkengott nicht so gut mit mir. Es scheint, das im Rheinland ein solcher wolkenfreier Himmel wirkliche eine Seltenheit ist.

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