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Teneriffa – unterschätzte Schönheit

Punta Hidalgo, Los Hermanos, Teneriffa

Teneriffa – unterschätzte Schönheit, nein vielmehr ist die Insel ein Juwel für den, der sich die Mühe macht, sie zu erkunden. Wer die übliche Touristenroute Flugzeug-Bus-Hotel-Bus-Flugzeug verlässt, wird sich wundern, in welchen Facetten und Lichtstimmungen Teneriffa sich zeigt.

Wie in jedem Jahr stellte sich mir die Frage, wo verbringe ich mit meinem Schatz den Jahresurlaub.  Eigentlich sind wir Asienfans und haben den Kontinen ausgiebig, aber noch nicht vollständig bereist. Eine Alternative, die in kürzerer Flugzeit zu erreichen ist und viel bietet, außer am Strand rumzuliegen, sollte gefunden werden.

Punta Hidalgo, Los Hermanos, Teneriffa
Punta Hidalgo, Los Hermanos, Teneriffa

Die Kanarischen Inseln, klingt irgendwie unspannend und nach Massentourismus mit Bettenburgen- und ja, die gibt es dort.

Aber!  Es gibt einen Vulkan mit seiner Caldera, die wirkt als sei man auf einem fremden Planeten. Es gibt grüne Gebirge, da sind zauberhafte Ortschaften mitten in die Berge gebaut, die mit dem Charme ihrer bunten Häuser um die Wette strahlen. Schroffe Lavafelsen, an denen der Atlantik mit seiner vollen Wucht dagegenschlägt, einsame Strände mit bizarren Felsen, die wie Teufelshörner aus dem Wasser ragen.

Wenn der Besucher auf dem Flughafen im Süden landet, sieht er erst einmal den hässlichsten Teil der Insel und wird sich fragen, wo bitte soll das alles sein, was der Raik hier schreibt? Der Süden ist bedingt durch den hohen Teide und dessen Caldera von den Passatwolken, welche sich im Norden festsetzen, verschont und bekommt somit kaum Regen ab. Dagegen wirkt das Gebiet nach Santa Cruz zunehmend grüner und dichter bewachsen. An der Nordküste liegt oft ein süßlich würziger Duft von den Pfefferbäumen in der Luft. Weit im Nordwesten gläzt der Ort Garachico mit den weißen Häusern im Mittagslicht. Die Meerwasserschwimmbecken laden zum Baden ein und gelegentlich schlägt ein Brecher gegen die Mauern und erfrischt mit einigen Kubikmeter kalten Wassers.

Aus fotografischer Sicht, und darum geht es mir in diesem Beitrag, hat die Insel enorm viel zu bieten.

Die Südküste um die Bereiche der Costa Silencio bis hin zum Montaña Roja bieten einige Fotospots mit farbigen Felsen.

Den Strand am Montaña Roja wollte ich erst nicht anfahren, da der Nordostwind der Insel den berüchtigten Calima beschert hatte. Dabei wird die heiße Luft der Sahara und Sandpartikel vom afrikanischen Festland hier hinüber geweht. Die Temperaturen steigen extrem an, oft in höheren Lagen. So sind am Meer noch angenehme 26 Grad und 1000m höher sind die Temperaturen plötzlich bei 32-34 Grad. Dazu wird der Himmel sehr milchig, Färbung bei den Sonnenauf- bzw. Untergängen fehlt.

Montaña Roja, Teneriffa
Montaña Roja, Teneriffa

Auch im Westen der Insel gibt es eine Bucht, die in der Nähe des Ortes La Caleta liegt.

El Puertito ist eine kleine Bucht, die von Campern und Tauchern besucht wird. Hier herrscht ein beschauliches und eher entspanntes Strandleben. Der Sand ist fein und das Meer rauscht nicht so kräftig herein. Einige Meter weiter finden sich farbige Sandsteinfelsen und schroffe Lavastrukturen.

El Puertitio, Teneriffa
El Puertitio, Teneriffa
El Puertitio, Teneriffa
El Puertitio, Teneriffa

Wie immer am Atlantik ist jede siebte Welle hinterlistig! Ich hatte diesen Felsen auf dem Bild oben erspät und bin mühevoll heruntergeklettert, immer die Gefahr im Auge, auf den glitschigen Steinen auszurutschen und samt Ausrüstung baden zu gehen.

Die Wellen die anrollten, schienen kalkulierbar zu sein, wobei die Betonung auf schienen liegt. Und dann kam sie, die siebte. Uiuiui, die sieht gut aus, angepeilt und ausgelöst und einen bruchteil später war sie höher als ich. Haare nass, Klamotten durchtränkt und die Kamera tropfte. Wieselflink bin ich die Felsen hoch, wo in sicherer Entfernung der Rucksack lag. Schnell habe ich mit meinem großen Mikrofaserhandtuch im Rucksack alles gründlich abgetrocknet, also die Kamera und die Filter, ich tropfte noch. Die einstelligen Bodys sind zwar etwas spritzwassergeschützt aber nicht wasserdicht. Nach der Trocknung und Verstauung bin ich tropfend zurück zum Auto, die Schuhe quitschten auffällig. Apropos Schuhe, wer einmal im Leben mit Schuhen im Salzwasser gewesen ist, kennt den Geruch dieser, wenn sie trocken sind. An alle Anderen sei gesagt, stellt Euch einen Käse vor, einen alten Käse. Den lasst Ihr nun zwei Tage in der Sonne liegen und danach packt Ihr ein Pfund Sardinen dazu. Wiederrum alles zusammen zwei Tage in die Sonne legen. Jetzt lässt sich erahnen, warum die Schuhe dann auf meinen Fototouren in einer Plastiktüte Einzelhaft im Kofferraum haben. Wer jetzt meint, die Waschmaschine würde das beseitigen, der irrt sich gewaltig.

Währen eines Hubschrauberrundfluges konnte ich einige Eindrücke aus der Luft gewinnen und sah das ganze Ausmaß, der riesigen Bananplantagen.

La Caleta, Teneriffa
Bananenplantagen, Teneriffa
Tenno, Luftbild, Teneriffa
Adeje, Luftbild, Teneriffa

Der fast immer präsente Teide ist eine ganz andere Liga! Die Straßen winden sich vom Westen bei Los Cristianos oder von Norden bei Puerto de la Cruz in schier endlosen Kurven nach oben zum Nationalpark Teide. Dabei kommt man unweigelich durch die mit Kiefern bewachsenen Coronoa Forestal. Auf dem Plateau der Caldera des erloschenen Vulkanes angekommen, den Cañadas, hatte es mir die Sprache verschlagen. Mann muss hier gewesen sein, um die ungeahnte Größe dieser Landschaft zu begreifen. Lavafelder, schroff, spitz und scharfkantig wechseln sich mit kleinen Sandwüsten ab. Turmhohe Felsen, wie die Roques de Garcia stehen umringt von im Mai blühenden Büschen. Die Tajinaste oder Natternkopf genannt, blüht im diese Jahreszeit und wird bis zum 2 m hoch.

Caldera, Teide, Teneriffa
Caldera, Teide, Teneriffa
Caldera, Teide, Teneriffa
Caldera, Teide, Teneriffa
Tajinaste, Caldera, Teide, Teneriffa
Tajinaste, Caldera, Teide, Teneriffa
Teneriffa, Teide, Obervatorium, Caldera
Teneriffa, Teide, Obervatorium, Caldera

An meinem ersten Abend auf der Insel führte mich der optimal stehende Vollmond auch gleich hier hinauf. Runde 50 Minuten beträgt die Fahrzeit über die kurvigen Straßen. Das quirlige Besucherleben des Tages ist verschwunden. Stille, nichts durchbricht die totale Stille, als das Auslösegeräusch meiner Kamera. Die Strinlampe brauche ich kaum, so hell strahlt der Mond. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Erst das Observatorium, dann die Cañadas, zum Schluß die Roques, die Speicherkarten füllen sich willig nach dem Motto, ich will mehr! Es ist gegen 03:00 Uhr als ich Müde in mein Hotelbett falle.

Observatorium, Caldera, Teide, Teneriffa,
Observatorium, Caldera, Teide, Teneriffa,
Teneriffa, Teide, Caldera
Teneriffa, Teide, Caldera
Corona Forestal, Teide, Teneriffa
Corona Forestal, Teide, Teneriffa

Einige Tage später, am Neumond stelle ich den Wecker auf 03:00 Uhr. Die senile Bettflucht und das Kopfkino treiben mich jedoch schon gegen 01:00 Uhr aus dem Bett. Na gut Teide ich komme. Eine Dose Red Bull weckt mich auch geistig währen der Fahrt. Unterwegs tue ich noch was fürs Karma, ich rette 7 Kaninchen das Leben durch Vollbremsungen.

Heute ist es wirklich dunkel, ohne die Sirnlampe geht nichts. Die unglaubliche Stille umhüllt mich, die Milchstraße scheint zum Greifen nahe. Eine Sandwüste, die bei mir im Tageslicht null und nichts fotografisch auslöste funktioniert in der Nacht bestens. Das sind die Highlights im Leben eine Landschaftsfotografen.

Ich nagele gemütlich mein Panorama zusammen, dann fahre ich weiter, wieder zm Observatorium um zum Schluß nochmals die Cañadas zu besuchen. Vor Anbruch der Dämmerung und vom Red Bull verlassen fahre ich ins Hotel, um noch einmal eine Stunde zu schlafen.

Teide, Milchstrasse, Teneriffa
Teide, Milchstrasse, Teneriffa
Tajinaste, Natternkopf, Caldera, Teide, Teneriffa
Tajinaste, Natternkopf, Caldera, Teide, Teneriffa
Caldera, Teide, Milchstrasse, Teneriffa
Caldera, Teide, Milchstrasse, Teneriffa

 

Ich könnte so stundenlang weiter schwärmen.

Kommen wir noch zum Norden der Insel, am Rande des Anaga Gebirges. Punta Hidalgo und der bezauberne Benijo Beach sind Fotografen Mekkas!

Am Punta Hidalgo ist es möglich, den halben Tag zu verbringen. Im Morgenlicht total anders als am Abend, wenn die tiefe Sonne die Felsenbüder gelb anstrahlt.

Punta Hidalgo, Los Hermanos, Teneriffa
Punta Hidalgo, Los Hermanos, Teneriffa

Benijo ist, ich würde sagen, am Ende der Welt oder mindestens am Ende von Teneriffa. Die Straße durch das windige und schroffgrüne Anaga Gebirge endet hier. Eine Buckelpiste geht weiter mit der Warnung vor Erdrutschen und Steinschlag. Der Strand sieht nicht aus wie von diser Welt. Diabolisch wirkende, spitze Felsen stechen aus dem Atlantik heraus wie Urzeitmonster in Angriffsstimmung. Der Sand ist dunkel und ultrafein. Die Stativreinigung zuhause dauerte entsprechend lange. Dieser Spot geht nur bei Ebbe. Und selbst bei Ebbe stehe ich im Sand und baue mein Bild auf und ahne nichts. Aus dem Nichts kommt eine Tsunamiwelle, umschliest mich hüfthoch, sanft und unspäktakulär, aber doch mit Nachdruck und verschwindet wieder. Den Rucksack hier im Sand liegen zu lassen wäre sträflich. Er würde in einigen Monaten in Südafrika wieder auftauchen.

Benijo Beach, Teneriffa
Benijo Beach, Teneriffa
Benijo Beach, Teneriffa
Benijo Beach, Teneriffa

Am Punta de Abona befinden sich die Ruinen einen nicht fertig gestellen Siedlung. Magisch und geheimnissvoll hate mich diese Location abgezogen. Bevor ich meinen Weg zu dem Leuchtturm in der Nähe fortsetzte, wollte ich hier noch eineige Aufnahmen in der Dunkelheit machen. Mein Navi hatte ich auch mit den Kooridanten  gefüttert. Doch der Weg dort hin war nicht so leicht zu finden, wie ich es mir erhofft hatte. Die Stimme vom TomTom schickte mich in eine Siedlung unterhalb der Ruinen. Ich sah diese auch nur fand ich den Weg hinauf auf den Hügel nicht. Ich ignorierte also die Stimme der Navigation und fuhr wieder zurück zu einem Abzweig auf einen Feldweg. Da muss es doch lang gehen, die Richtung sollte doch stimmen? Stockfinster, das Fernlicht an meinem Mietwagen tanzte hoch und runter, der Weg wurde wellig, steinig, mit Furchen durchzogen. Ich fuhr im Schneckentempo, ich schätze eine viertel Stunde lang bis der Opel Corsa kurz vor dem Umkippen war. So Ende, Schluss aus, so gehts nicht weiter. Wie in isländischen Furten manövrierte ich den Mietwagen vorsichtig und millimetergenau aus der Misere.

Dann doch hinab ins Dorf, irgendwie muss es da hoch gehen, die Zeit rennt weg, Astronimosche Dämmerung am Himmel! Ich fand dann auch dank zunehmender Helligkeit einen Trampelpfad. So hetzte ich diesen hinauf, voller Neugier, ob ich dort obben denn auch alleine sein werde. Ein Hund aus einem der vielen Häuser der Siedlung hinter mir schickte mir ein warnendes Bellen hinterher. Sehr unheimlich empfand ich die Stimmung und Gedanken schossen mir durch den Kopf, warum die Kirche da halbfertig verlassen wurde. Nach zwei, drei Sicherheitsshots bin auch gleich wieder zuück zum Auto, meinHauptziel, der Leuchttrum blinzelte mir schon zu, als wolle er mich rufen.

Punta de Abona, Teneriffa
Punta de Abona, Teneriffa

Ich möchte mit dem Leuchtturm am Punta de Abona enden. Es war auch mein letzter Morgen auf der Insel, den ich noch ein mal tief aufsaugte.

Die Dämmerung lässt erahnen, wo die Sonne aufgehen wird. Ich balanciere vorsichtig mit der Ausrüstung und der Stirnlampe auf den wie Rasiermesser scharfen Felsen. Der Blick in die Bucht vor mir endet in den schwarzen Felsen. Ich sehe fast keine Struktur. Über mir dreht das Leuchtfeuer am Leuchtturm und der Atlantik kocht. Zum Glück ist Ebbe. Ich kämpfe mit dem Spray und den Wassertröpchen der Gischt auf den Filtern währen es heller wird. Ich verbringe den ganzen Morgen bis zu dem Zeitpunkt, als die Sonne das Wolkenband überschreitet hier. Das Foto muss perfekt werden. Ich arbeite mit langen Zeiten, ich wechsele die Positionen und belicht kurz für mehr Struktur im Wasser. Währendessen beschallt mich David Gilmour live aus Gdansk mit Echoes. Ich will zurück an meinen Leuchtturm. Ich will da allein am Meer sitzen und zusehen, wie die Wellen sich brechen…

Faro de Abona, Teneriffa
Faro de Abona, Teneriffa

 

5 Comments

  • Martin Matte Januar 9, 2017 - 9:05am

    Vielen Dank für den sehr schönen und detailreichen Beitrag. Ich finde, Teneriffa ist eine wunderschöne Insel, gar nicht mal so unterschätzt. Gerade im Herbst und im Winter ein idealer Ort, um mal bei etwas mehr Sonne als zu Hause die Landschaft zu genießen. Ich bin letztes Jahr auch dort gewesen und habe auf meinem Blog auch einen Bericht geschrieben. Vielleicht interessiert es ja 🙂

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  • Petra April 17, 2016 - 8:53pm

    Verflixt! Ich wünschte, ich hätte das eher gelesen. Dann würd ich nicht nachts schlafend im Bett liegen, sondern mutterseelenallein mit schlotternden Knien hier durch die Pampa stiefeln. Und mit Kamera und Stativ natürlich. Ich find hier einige Ecken tagsüber schon grandios, aber nachts legt’s wohl nochmal ne Schüppe drauf. Bisher war ich aber irgendwie immer zur falschen Zeit am falschen Ort. Meine beschiedene Planung dreht sich halt nicht nur ums Fotografieren, da muss man dann wohl Abstriche machen.
    Anyway… ein paar Ideen und Tipps nehm ich für meine restlichen Tage hier mal nich mit. Besten Dank!

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    • Raik April 18, 2016 - 7:00am

      Ja, Teneriffa ist aus fotografischer Sicht echt der Hammer. Viel Spaß noch dort.

      Antworten

  • Nikolas Oktober 19, 2015 - 8:38pm

    Ein super Bericht für meine Woche auf Teneriffa ab nächsten Montag, danke!
    Ich konnte mich richtig in Dich hineinversetzten und es wurde gut beschrieben, was den Reiz an Landschaftsfotografie ausmacht.
    Natürlich sind die schönen Bilder der Hauptreiz aber um Himmels Willen: Wer steht extra um 01:00 – 03:00 Uhr morgens auf, um auf einen Berg zu fahren. Die einzigartigen Momente in der Natur kann einem keiner mehr nehmen.
    Großartig!

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  • Sonja Jordan Juni 19, 2015 - 8:06am

    Sehr schön Raik!

    Das ist definitiv ein Fotoziel, das auf meiner „Liste“ nach oben gerückt ist!

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