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ÜBER DIE QUALITÄT VON LICHT UND DESSEN WIRKUNG

Luitpoldturm

In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich Euch etwas über die Arten des Lichts in der Landschaft und deren Wirkung erzählen.

Die Qualität von Licht ist für uns Landschaftsfotografen enorm wichtig, Licht ist in der Landschaftsfotografie alles. Das Motiv, die Stimmung, die Anmutung und die Geschichte, die ich mit meinem Bild erzählen möchte, steht und fällt mit dem Licht.

DIFFUSES LICHT

Wenn mein Motiv bzw. mein Bild mystisch sein soll, ähnlich einer Partitur in Moll geschrieben, dann kann ich das nicht an einem sonnigen Tag umsetzen. Dazu brauche ich eine trübe Stimmung. Die lässt sich erzeugen, indem ich die Farben zurücknehme, Drama oder Dunkelheit durch dunkle, bedrohliche, dichte Wolken für mein Foto wähle.

Ich bezeichne dieses Licht als diffuses Licht oder gestreutes Licht.
Die Sonne strahlt durch die Wolkendecke wie durch einen dichten Stoff. Die Kontraste sind weich, oft ausgeglichen, dieses Licht ist fotografisch einfach zu beherrschen. Da bei diesen Lichtverhältnissen der Himmel oft hell ist wähle ich meistens einen leichten Grauverlaufsfilter. Dadurch bekomme ich die Struktur in den Wolken einfach gesagt besser in meinem Foto dargestellt.

Das beste Wetter für solche Motive sind stark bewölkte Tage oder neblige Morgen. Bei Nebel wird die Tiefe abgemildert, das Motiv sticht aus seiner Umgebung förmlich heraus, es steht da, für sich alleine ohne viel Ablenkung. Warum einen Morgen? Morgenlicht ist für sich genommen kühler und damit wirken neblige Fotos in meinen Augen mit kühler Abstimmung mystischer.

Nehmen wir das Foto hier von dem Felsen im Pfälzerwald, den ich schon einige Male besucht habe. Jedes Mal war die Lichtstimmung besonders und anders.

Lämmerfelsen
Rückseite des Lämmerfelsen im Morgennebel
Lämmerfelsen
Gestreutes und diffuses Licht

Mein ursprünglicher Plan war die Location im Morgenlicht mit Nebel in den Tälern zu fotografieren. Die Studie des Wetters für den Morgen verhieß hohe Luftfeuchtigkeit und Nebel. Die Höhe des Nebels war jedoch schwer vorherzusehen. Ich bin pünktlich am Parkplatz gewesen und habe mich mit einer Sichtweite von nur wenigen Metern im Dunkeln meiner Location mittels Handynavigation genähert. Ohne das nützliche Tool komoot hätte ich mich unter Umständen verlaufen, so dicht war die Suppe.

Doch leider, oder im Nachhinein zum Glück, war der Nebel an dieser Stelle im Pfälzerwald runde 100 Meter zu hoch. Darüber schien die Sonne, wie es von mit gewünscht war. Aber die Stimmung war unglaublich schön, der Nebel dämpfte die Geräusche, es war still, die Farben waren sanft und kühl. Ich nutzte dieses sanfte Licht und war final doch glücklich mit meinem Foto von diesem Morgen.

GEGENLICHT

Ein halbes Jahr zuvor, im späten Sommer, war ich bereits schon einmal hier oben. An diesem Morgen war alles anders. Von Westen her zog über die Felsengruppe ein Wolkenband in Richtung Osten, die aufgehende Sonne brachte den Morgenhimmel und die Wolken über der Location zum glühen. Ein wunderschöner und unvergesslicher Morgen war das. Gesättigt, farbig, fröhlich und sommerlich strahlend wirkt das Bild auf mich. Die Sonne stand genau an der Felskante, oder umgekehrt, ich bewegte mich so lange mit dem Stativ, bis ich die Sonne exakt an der Stelle für einen Sonnenstern hatte.

Lämmerfelsen - Pfälzerwald
Direktes Licht – Gegenlicht

Ich spreche bei dieser Lichtqualität von Gegenlicht. Gegenlicht ist immer hell, es wirkt aufmunternd, und bringt leuchtende Bilder zustande. Oft leuchten Bildelemente, wie Blätter und Büsche, durch die das Licht hindurch strahlt.  Aber, es ist auch das am schwierigsten zu beherrschende Licht in der Landschaftsfotografie.

Durch die Helligkeit des Gegenlichts kommt es oft zu einem extrem hohen Motivkontrast. Der Felsen im Bild ist dunkel und stumpf. Um das alles auf den Sensor zu bringen bedarf es einer Kamera mit einem großen Dynamikumfang und zusätzlich dem Einsatz eines starken Grauverlaufsfilters, um den Motivkontrast einigermaßen auf dem Umfang des Kamerasensors zusammenzustauchen. Natürlich sind auch andere Hilfsmittel wie Exposureblending oder HDR Mittel der Wahl, je nach Geschmack des Fotografen.

Gegenlicht muss nicht zwangsläufig die Sonne direkt im Bild haben. Auch ein Sonnenaufgang, bei dem sich die Sonne eigentlich noch knapp unter dem Horizont befindet, erzeugt einen hohen Motivkontrast. Der Himmel am Horizont ist sehr hell, der Bildvordergrund oft dunkel, da noch kein direktes Licht darauf fällt, sondern nur das von der Atmosphäre oder den Wolken reflektierte Licht.

REFLEKTIERTES LICHT

Wie der Name sagt, lebt das Motiv von der Lichtquelle, die sich im Rücken des Fotografen befindet. Das Motiv wird von dem Licht direkt oder seitlich angestrahlt und reflektiert das Licht auch auf den Vordergrund und in Richtung Kamera.

Reflektiertes Licht ist besonders schön, wenn die Sonne tief steht. Dabei werden Konturen, Formen und Linien sichtbar. Das Motiv wird modelliert und vom Licht geformt. Die tiefe Sonne mit ihren warmen Farben lässt Felsen und Bäume förmlich strahlen. Auch diese Art der Ausleuchtung einer Landschaft ist relativ einfach on Location zu beherrschen. Der Motivkontrast ist oft hoch da der Himmel relativ hell ist. Hier reicht mir in der Regel ein mittelstarker Grauverlauf.

Wieder nehmen wir als Beispiel die selbe Location, den Lämmerfelsen im Dahner Felsenland.
Wie immer habe ich das Wetter genau studiert. Jetzt, wo ich den Artikel schreibe, ist der Himmel wolkig, doch gegen Abend hin sollen sich die niedrigen Wolken auflösen. Mein Ziel für heute Abend ist es, Fotos von dem Felsen zu machen, wenn er von der tief stehenden Sonne angestrahlt wird.

Vorhersage zum Sonnenuntergang – Kachelmannwetter

Ich habe das beste Foto von dem Felsen machen können, als die Sonne ganz knapp über dem Horizont stand und das rote Licht den Sandstein zum glühen bringt. Im Osten steht bereits der Vollmond am Himmel.

Lämmerfelsen Pfälzerwald Dahn
Reflektiertes Licht der untergehenden Sonne
Lämmerfelsen - Pfälzerwald
Lämmerfelsen im Herbst – Reflektiertes Licht vom Sonnenaufgang

Wie Ihr seht, kann ein Fotospot in unterschiedlichem Licht verschieden Fotos erzeugen. Je nach Jahreszeit, der Wettersituation und dem Licht könnt Ihr mit ein und demselben Motiv immer wieder frische und andere Fotos machen.

Mein gut gemeinter Rat an Euch ist, sucht Euch einen Fotospot in Eurer Heimat. Hier könnt Ihr immer wieder hinfahren, Ihr könnt Licht studieren, analysieren und vor allem den Umgang mit dem Licht üben. Es ist das beste Training und die beste Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln, die Euch dann, wenn Ihr eine Reise macht und in der fremden Umgebung seid, hilft schnell und treffsicher das richtige Licht für die Fotospots vor Ort zu finden und die Fotos zu machen, die Ihr Euch vorstellt.

Lichtverhältnisse on Location zu erkennen und zu meistern ist Grundlage bei meinen Einzelcoachings, Fotoworkshops und Fotoreisen.

3 Comments

  • Jochen Mai 16, 2017 - 10:15am

    Sorry – Lämmerstein meinte ich (nicht Geierstein)

    Antworten

  • Jochen Mai 16, 2017 - 10:14am

    Ein schön geschriebener Erfahrungsbericht!
    Die Nebelbilder vom Geierstein treffen meinen Geschmack weniger, das ist aber vorwiegend eine Frage des eigenen Geschmacks und besonders eine Frage der Vorlieben des Fotografen 🙂
    Bei der Planung einer solchen Tour ziehe ich nicht nur den Wetterbericht in Betracht, auch eine eingehende Beschäftigung mit der Richtung des Sonnen/Monduntergangs (oder des -aufgangs) sind wichtig. So wie es dein Bild des Lämmerfelsens mit dem Blendenstern eindrucksvoll zeigt. Die Anwendung TPE ist dabei eine sehr wertvolle Hilfe.

    Grüße und immer gutes Licht
    Jochen

    Antworten

    • Raik Mai 16, 2017 - 2:22pm

      Hallo Jochen,

      danke für Dein Kommentar. Die Grundlage der Sonnenstände mittels TPE oder PhotoPills sind mir bestens vertraut und ohne einen Blick darauf verlasse ich nicht das Haus 🙂
      Auch Dir immer goldenes Licht.
      Raik

      Antworten


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