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Der Südwesten der USA – Reisebericht Teil 5

Bryce Canyon - Inspirationpoint

BRYCE CANYON

Auf die Orangenen Felszacken des Bryce Canyon habe ich mich im Vorfeld besonders gefreut.

Das ganze gepudert mit frischem Schnee, sanft leuchtend im Morgenlicht. Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Zuhause habe ich schon Wochen vorher das Wetter verfolgt, bei jedem Schneefall habe ich mich gefreut. Die Temperaturvorhersagen haben mich schon auf der Couch frösteln lassen, in der Spitze bis Minus 20°C waren gemeldet.

Und genau deshalb war das Gewicht meines Koffers auch weit über der erlaubten Freigepäckgrenze. Warme Klamotten mussten eingepackt werden, Merinounterwäsche, die dicksten Handschuhe die ich habe, ein Taschenofen usw. um einfach auf die Kälte vorbereitet zu sein. Die tiefste Temperatur, bei der ich je fotografiert hatte waren Minus 12°C im Allgäu.

Nachdem wir also Kanab verlassen hatten machten wir es uns im Auto schön kuschelig warm. Gemütlich verschlangen wir die Höhenmeter und es wurde um uns herum immer kälter und immer weißer. Die Mittagssonne strahlte vom kitschig blauen Himmel in die Winterlandschaft, yes baby, it works.

Wir bezogen direkt am Bryce Canyon das Best Western Ruby´s Inn, um kurze Anfahrtswege zum Canyon zu haben. Uaarrgghhh, was das kalt hier. Eiszapfen hingen an den Lodges herab, die Stars and Stripes flatterte im Wind. Kurzer Abstecher ins Zimmer, danach ging es auch gleich los mit dem Locationscouting. Wie tickt das hier, wie steht das Licht und wie wird es später stehen. Wir fuhren zum Sunrise Point, Sunset Point und Inspiration Point. Gut Michael, ich glaube das reicht für die zwei Tage. (Michael ist meine Reisebegleitung und ein begnadeter Landschaftsfotograf, falls ich das noch nicht erwähnt hatte).

Wir fuhren zurück ins Hotel, die gaaaanz dicke Isolation anziehen, die aus Merinosocken, Neoprensocken, Kamikstiefeln, Merinounterwäsche, gefüttertet Fjällräven Hose und Yupikparka bestand. Immerhin wird es bis Minus 10°C kalt werden und der Westwind war fies.

Habt Ihr schon mal versucht, mit einer Minikaffeemaschine heißes Wasser für eine Kanne Tee zuzubereiten? Abenteuerlich, aber es geht gerade so.

Noch früh am Nachmittag stapften wir durch den Schnee und tasteten uns an die Locations ran.

Doch irgendwie wollte es bei mir nicht, irgendwie kamen keine guten Fotos zustande. Ich lief den Wanderweg am Sunset Point hinab, versuchte Motive zu finden, was mir kaum gelang. Also gut, filmen wir ein wenig.

Bryce Canyon
Bryce Canyon – Sunset Point im Nachmittagslicht
Bryce Canyon
Bryce Canyon – Sunset Point im Nachmittagslicht
Bryce Canyon - Sunsetpoint
Bryce Canyon – Sunsetpoint

Mit dem Sunset Point kam ich nicht zurecht und habe mich dann auf den Weg rüber zum Sunrise Point gemacht. Leider zu spät kam meine Einsicht. Ich schätze Ihr kennt das, wenn Ihr mit ansehen müsst, wie das Licht abhaut. Ich lief immer schneller und schnaufte gehörig, die Brühe fing unter dem Parka an zu kochen. Während des Laufens visierte ich schon Motive an, baute in Hektik auf und versuchte gerade noch so, das weiche Licht auf den Felsen zu erhaschen.

Bryce Canyon
Bryce Canyon

Das war nicht mein Abend, ich war enttäuscht, weil ich nichts vernünftiges auf den Sensor bekommen habe. Ich hasse es mit Hektik aufzubauen, ruckzuck rutscht dann mal ein Filter aus der Hand, der Bildaufbau ist nicht sauber, es ist halt geschnuddelt. Die Einsicht, dass man im Leben auch mal keine guten Fotos machen kann, wollte nicht bei mir ankommen, ich bin hier halt nur für einen Abend und einen Morgen, Mensch ey!

Nach dem Schnuddeln lief ich den Wanderweg hinab um zu sehen, ob ich für Nachtfotos hier etwas brauchbares finde. Oh ja, da geht was, die Freude kam wieder zurück. Fix sackte ich noch ein paar Fotos in der Dämmerung ein.

Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon

Danach machte ich einen kurzen Check mit TPE wann die vollkommene Dunkelheit denn da sein wird, das sind ja noch runde 90 Minuten. Wat machste solange? Es war schon ziemlich kalt, aber zurück zum Auto, der Weg war mir dann zu weit und keine Option, da ich auch nicht wusste, wo Michael aktuell rumkrabbelt. Doch Dein Handy ist ja der Kontakt zur Außenwelt, schreibst Michael kurz eine Nachricht, das ich hier abhänge, bis es Dunkel wird.

Der Tee war mein Retter, ich machte es mir, so weit es eben ging, am Aussichtspunkt des Sunrise Points auf der zugefrorenen Bank gemütlich, den Rücken in den Wind, Kapuze auf, Kopfhörer drüber und den dampfenden Tee in der Hand. Jetzt mussten die Heizpads ran, meine Füße waren eiskalt. Die Zeit verging im Zeitlupentempo. Immer wieder trippelte ich umher, um mir die Füße zu wärmen.

Endlich war es dunkel genug. Ich stapfte den Wanderweg hinab zu den vorher ausgespähten Felsen.

Ein paar Schritte zur Seite, bis der Standpunkt ideal war. Ideal war nicht, dass ich bis zum Hüftknochen im Schnee versank. Rechts von mir ging es 10 Meter in die Tiefe, behaglich war mir diese Yogastellung am Felsen  nicht, egal, das muss jetzt so! Der Himmel war mit der dunkelste und die Anzahl der Sterne so hoch, wie ich es ganz selten bisher gesehene habe. Jetzt läuft es wieder, das Motiv passt, die Pentax schaufelt ein Foto nach dem anderen auf den Sensor. Immerhin mit ISO 6400, Blende f1.4 und 15 Sekunden Belichtungszeit. Die kurzfristige Anschaffung des Walimex 24mm f1.4 vor der Reise hatte sich also gelohnt.

Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon

Viel Zeit blieb nicht mehr, Michael meldete sich nicht und ich war schon ein wenig nervös deshalb. Mit Morsezeichen meiner LED Lampe versuchte ich in der Ferne Kontakt aufzunehmen.

Als ich fertig war und das Stativ dann aus dem Schnee zog ist es passiert. Geräuschlos und butterweich, ohne das ich es merkte, rutschte das Sativbein aus der Verankerung an der Basis. Einfach so ist die Gussfassung des oberen Stativbeins meines Gitzo Stativs gebrochen und das Karbon darunter mit. FUCK!!!! „Das brauche ich jetzt“ fluchte ich. Doch was soll´s, das muss jetzt irgendwie noch für ein paar Fotos halten. Die letzten zwei Motive machte ich dann in dem ich das Bein wieder dahin steckte, wo es eigentlich sein sollte und mit der Hand das ganze instabile Geraffel irgendwie festhielt. Derweil war meine Kälteschwelle unterschritten.

Wenn Du die ganze Zeit mit den Füßen im Schnee steckst, kühlen die irgendwann aus. In den Handschuhen war Schnee vom dauernden ausziehen und Kamera einstellen.

Ich machte mich auf den Rückweg, wo mich Michael auf halben Wege auch schon suchte, meine Nachrichten hatten ihn nicht erreicht. Ein schöne Portion Pasta und ein Weizenbier wärmten mich im Hotel dann langsam wieder auf.

Bryce Canyon
Morgen am Bryce Canyon – Inspiration Point

Am Morgen darauf zeigte das Thermometer Minus 14°C an, als wir zum Inspiration Point gefahren sind. Es war zwar kalt, aber der Wind war weg, es ließ sich ertragen. Keine Wolke am Himmel, das Mondlicht vermischte sich mit dem Licht der Morgendämmerung.

Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon
Bryce Canyon

Hier flutschte es, das sah gut aus. Ein Foto nach dem anderen sackten wir ein. Bis dann die Sonne auf die bizarr erodierten Felsen strahlte. Das goldorange brachte mich um den Verstand, so schön war es anzusehen, im Kontrast zu dem Schnee einfach bezaubernd, ich war überwältigt. Viel Zeit zum realisieren blieb da nicht, sollte es effektiv bleiben. Jetzt war Teletime angesagt, denn mit langer Brennweite ließen sich die Details wunderbar herausarbeiten. Das war mein Licht, meine Farben, so wollte ich es immer haben. Hinten in der Ferne hingen tiefe Wolken in den Bergen und vorne glühte es. Ich war im Move, hoch, quer, da drüben, dort vorne, wie mit einem Fernglas suchte ich die Formationen ab.

Bryce Canyon - Inspirationpoint
Bryce Canyon – Inspiration Point
Bryce Canyon - Inspirationpoint
Bryce Canyon – Inspiration Point
Bryce Canyon - Inspirationpoint
Bryce Canyon – Inspirationpoint

Schnell wurde das Licht hart und es war Zeit, diesen magischen Ort zu verlassen.

Mit einem breiten Grinsen und tief erfüllt sollte jetzt ein Frühstück her. Viel zu schnell flog dieser Morgen an mir vorbei, hat sich jedoch tief in meine Erinnerungen eingebrannt und je öfter ich die Fotos von dem Morgen anschaue, desto mehr gerate ich ins Schwärmen. Bryce, i´m in love.

 

Reisebericht Teil 4

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