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FIEBERBÄUME IN SÜDAFRIKA

FIEBERBÄUME IN SÜDAFRIKA

Hoch über dem Buschland des Zululands, am Rande des Hluhluwe-Imfozi-Nationalparks, lehne ich am Geländer einer Holzveranda und mein Blick schweift über die Weite. Aus dem Grün des Buschs stechen in ihrer Farbe und Struktur auffällig kleine Baumgruppen heraus. Dunkle Wolken verdecken den Horizont und Regenvorhänge streichen im afrikanischen Abendlicht über die Landschaft.

Fieberbau Wald, Fevertree

Diese seltsam anmutenden Bäume haben mein sofortiges Interesse geweckt.

Ein Bushwalk am nächsten Morgen bringt mich den Bäumen näher. Ich lerne über die Bäume, dass auf ihrer Rinde ein weissliches Puder haftet und sie im Moment, wegen der starken Trockenheit des letzten Sommers, fast alle ihrer fedrigen Blätter verloren haben.

Der Fiberbaum, engl. Fever Tree, bekam sein Name von den ersten europäischen Siedlern, die seiner Zeit noch nichts von Malaria wussten. Durch das Siedeln in der Nähe der Bäume erkrankten viele von ihnen, die Bäume waren schuld, sie lösten ein Fieber aus.
Der Fieberbaum, auch Gelbrinden Akazie genannt, gedeiht auf gleichmäßig warmen und feuchten Böden in der Nähe von Sümpfen und Gewässern. Ergo liebt natürlich auch die Mücke diese Gebiete und der Stich selbiger verbreitete das Fieber.

Die Schönheit dieser bis zum 25 Meter hoch wachsenden Bäume fesselte mich. Die ledrige Rinde, die matt gelblich mit einem Stich Opal schimmert, die Wuchsform und natürlich der Reiz der verbotenen Frucht ließen die Motivklingel schellen.

Dem Wissen der Locals sollte man überall auf der Welt Gehör schenken, erst recht, wenn man gewarnt wird. Geh niemals im Dunkeln alleine in den Busch raus! Hier in Südafrika, aber auch in Namibia, Botswana, Sambia, fast überall in Afrika leben Wildtiere. Nicht nur Kudus, Nyalas, Zebras und Impalas, auch die Jäger. Ich werde eindringlich gewarnt vor Hyänen, Leoparden und gelegentlichen Löwen. Keinem dieser Tiere möchte ich alleine, erst recht nicht in der Dunkelheit, begegnen.

Somit schwindet mein Wunsch, Fieberbäume im Mondlicht zu fotografieren.

Doch nach dem Bushwalk scheint Frank, der Guide, welcher jahrelang im Krüger NP die Field Guides ausbildete und im Marloth Park der zuständige Schlangenfänger war, mein Interesse und meine Achtsamkeit der Natur gegenüber gespürt zu haben. Sein Satz “feel free to discover our property” klingt wie Musik in meinen Ohren. Ich kann das ganze Gebiet des Camps ablaufen, auch am Fluss entlang, ich soll nur auf die Hippos achten.

Zum Einen wird daraus meine eigene Walking Safari, anschleichen, stehen bleiben, nicht bewegen, Tiere beobachten. Das Adrenalin brodelt in meinen mitteleuropäischen Venen.

Kurz vor Sonnenuntergang will ich definitiv noch einen Abstecher in den kleinen Fieberbaumwald machen. Evelyn steht Schmiere, ermahnt mich immer wieder. Jaja, ich passe schon auf. Die Dämmerung ist nah und Hippos sind nun mal dämmerungsaktive Tiere. Ich schleiche durchs kniehohe Gras, umrunde die Bäume und suche mir mit dem 12mm Weitwinkel mögliche Standpunkte und Motive. Ein Chor von Vogelstimmen singt der Dämmerung entgegen, gemischt mit dem Klang von Zikaden. Es riecht würzig nach Savanne. Das Licht ist schnell weg, die Zeit verrinnt beim Fotografieren wie in einer aufgebohrten Sanduhr. Ich bin in meinem Element!


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