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Magie der Langzeitbelichtungen

Benijo Beach, Teneriffa

Magie der Langzeitbelichtungen

Wie können wir Menschen die Zeit anhalten? Schwere Frage, einfache Antwort. Mit den Mitteln der Langzeitbelichtung kann es uns gelingen, Momente die für das Auge von kurzer Dauer sind, festzuhalten und den Verlauf der Zeit sozusagen im Bild zu puffern.

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Lofoten, Norwegen, Gimsoy
Lofoten, Norwegen
Lofoten, Norwegen

Fotos, bei denen das Wasser so glatt ist und die Wolken wie Streifen erscheinen sind keine am PC erzeugten Fotokunstwerke sondern entstehen am Ort des Geschehens.

Natürlich ist die Stilistik der Langzeitbelichtung nicht jedermanns Geschmack.
Oft höre ich Aussagen, wie das ist mir zu künstlich, so sieht das in echt nicht aus.

Stimmt, aber will ich denn immer die Realität abbilden? Ist mir die oft zu profan, oder die jeweilige Stimmung on Location nicht sphärisch genug, dann arbeite ich mit einer Langzeitbelichtung. Und das ist keine Magie oder Hexerei. Es geht ziemlich einfach, wenn man weiss wie.

Zum ersten müssen wir dafür sorgen, das vorhandene Licht, welches auf den Sensor/ Film fällt zu reduzieren, damit die Kamera zwangsläufig länger belichten muss um die gleiche Menge an Licht zu bekommen. Dazu können wir entweder die Blende schließen und oder die ISO/ASA Werte auf das Minimum der Kamera reduzieren. Das kann im besten Fall ISO 100 oder ISO 50 sein.
Somit haben wir schon einmal dafür gesorgt, dass weniger Licht auf den Sensor fällt. In der Dämmerung und bei wenig Licht reichen diese Mittel noch aus, die Zeit zu verlängern. Doch bei hellem Tageslicht kommen wir mit diesen Einstellmöglichkeiten an die Grenzen.
Dann brauchen wir etwas zum Abdunkeln vor dem Objektiv, ein Glas, welches weniger Licht durchlässt.

En Voila, da ist er, der Graufilter. Ein graues, oder besser gesagt dunkles Glas, welches abhängig von seiner Stärke einer dunklen Sonnenbrille gleicht und das Licht reduziert.
Nun gibt es diese Grau- oder ND-Filter in unterschiedlichen Stärken.
Ich selbst benutze einen HAIDA-ND Filter in Form eines Einschub-Filters in den LEE-Filterhalter mit einer Nennstärke von NDx64 bzw. einer Lichtreduktion von 6 Blendenstufen (gerne auch little Stopper genannt). Ganz einfach lässt sich die benötigte, korrekte Belichtungszeit beim Einsatz dieses Filters am Beispiel einer Belichtungszeit von einer Sekunde ohne Filter berechnen.
Eine Sekunde multipliziert mit dem Faktor von 64 ergibt 64 Sekunden Belichtungszeit mit dem montierten Filter. Oder anders gerechnet in ganzen Blendenstufen= die Belichtungszeit wird immer verdoppelt, in 6 Schritten:
Ergo 1 Sekunde, 2 Sekunden, 4 Sekunden, 8 Sekunden, 16 Sekunden, 64 Sekunden.

Jetzt kommen aber noch einige feine Details beim Einsatz eines solchen Filters zu Tage. Zu erst betont bzw verstärkt der Graufilter die Objektivvignettierung, der Rand wird etwas dunkler als die Bildmitte.

Diese Randabdunklung ist aber zum Teil auch bauarbedingt. Die neue Nano Pro Serie von Haida ist relativ vignettierungsfrei.

Nicht außer acht zu lassen ist, dass in der Dämmerung beim Sonnenuntergang das Licht stetig weniger wird. Je weiter wir uns zum Äquator hin bewegen, desto schneller verschwindet das Licht. Von daher gebe ich bei Sonnenuntergangssituationen immer Zeit zur ermittelten Belichtungszeit hinzu. Wie viel ist oft Gefühlssache bzw. Erfahrung im Umgang mit ND Filtern.

Im Folgenden habe ich Euch einige Fotos aus den letzten Jahren zusammengetragen, oft nur im Vergleich mit der sogenannten Einstellbelichtung, dem Foto, welches die Grundlage der Berechnung der Langzeitbelichtung ist. Wird mir die Zeit zu lang dann verstelle ich oft die ISO/ASA bzw. öffne die Blende wieder entsprechend.

Ich mag Langzeitbelichtungen, sie halten für mich die Zeit an, sie wirken episch, oft sphärisch und magisch. Für mich haben diese Fotos oft eine erhabene Eleganz, sie glänzen wie ein roter Ferrari auf dem nassen Asphalt nach einem Regenguss. Ich kann mit meinen Augen so nicht sehen, deshalb erfreue ich mich später an den Zeitdokumenten, die für mich zwei Minuten meines Lebens in einem Foto einfrieren.

 

Frankreich, Goury
Frankreich, Goury
Italien, Tellaro
Italien, Tellaro
Norwegen, Uttakleiv
Norwegen, Uttakleiv
Norwegen, Uttakleiv
Norwegen, Uttakleiv
Sri Lanka, Unawattuna
Sri Lanka, Unawattuna
Italien, Portovenere
Italien, Portovenere
Italien, Pietrasanta
Italien, Pietrasanta
Italien, Viareggio
Italien, Viareggio
Frankreich, Saint Valerie en Caux
Frankreich, Saint Valerie en Caux
Teneriffa, Benijo Beach
Teneriffa, Benijo Beach

 

Welchen Filter ich nun wähle hängt von der Menge des vorhandenen Lichts ab. Das bedeutet, bei viel Licht nutze ich gerne den Big Stopper, also einen sehr starken ND-Filter mit einer Lichtreduktion um 10 Blenden.

Damit komme ich, je nach Licht auf Belichtungszeiten von 10 Sekunden bis 4 Minuten. Persönlich mag ich es nicht noch länger zu belichten. Denn in der Regel habe ich an meiner Kamera die interne Rauschreduzierung zur Vermeidung von Hotpixeln aktiviert. Diese rechnet im Anschluss an die Langzeitbelichtung die selbe Zeit nochmals als Schwarzbild. Das bedeutet bei einem Motiv und einer Belichtungszeit von 4 Minuten dauert der ganze Vorgang dann 8 Minuten. 

Zum Schluß habe ich euch in diesem Beitrag noch einige Langzeitbelichtungen zusammengestellt.

Wie macht Ihr das, mögt ihr Langzeitbelichtungen?

 


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